See_lenfrieden.

Eine überwiegend aufreibende, anstrengende Woche. Am Schreibtisch ebenso wie draußen – und überhaupt.

So ein Tierkliniktermin hängt mir tagelang nach, vor allem, wenn auch die Diagnosen erst Tage später eintreffen. Selbst, wenn man bewusst nicht wartet, so wartet man eben unbewusst doch.

Seit gestern wissen wir mehr. Giardien. Na super. Den Hundekundigen unter Ihnen ist klar, was das bedeutet. Den anderen empfehle ich, nicht nachzuschlagen. Immerhin ist nun die fünfwöchige Leidenszeit des Dackelfräuleins hinreichend erklärt.

Dann noch ein anderer Verdacht, aufgrund der Blutwerte. Gar nicht schön. Das bleibt hier aber so lange unerwähnt, bis es endgültig abgeklärt ist, denn ich bilde mir gelegentlich ein, dass man manchen Dingen durch ihr Nicht-Niederschreiben auch ihre Existenzgrundlage entziehen kann.

Überhaupt stand Fräulein Hund diese Woche etwas arg im Vordergrund. So lang war sie noch nie paarungswütig, so oft hab ich noch nie „Ist das ein Rüde?“ durch die Gegend geplärrt oder mein Bein trennend zwischen sich begegnende, hormongesteuerte Vierbeiner gestellt.

Und nebenher noch viele andere Dinge, die einen beschäftigen (zwischendurch den rechten Arm endlich dem Osteopathen anvertraut).

Deshalb bin ich jetzt mal kurz weg.
Auf Mutter-Kind-Kur quasi. Nur ohne Kind. Das ist daheim, beim treusorgenden Gatten.
Ich hab mal nachgerechnet: 2019 war ich bislang genau 4 Tage/Nächte als Individuum ohne Anhang unterwegs. Da schlag ich doch nun glatt nochmal zwei Tage obendrauf!

Muss mal für mich sein. Aber nicht irgendsoein Wellnesskörperpamperseeleaufweichprogramm (schade eigentlich), sondern eine kleine Arbeitsklausur. Ein Text möchte fertig werden. Bzw. überhaupt erstmal geschrieben werden. Ein wichtiger Text. Das erfordert Ruhe und Abstand – und einen geeigneten Ort fürs Anfangen.

Dieser Ort ist hier. Am See. Mit Blick auf den See. Grau sieht er aus, im November, aber das passt prima.

Nebenan das Bootshaus, vor dem in den Kindheitsommern der S. saß, der immer mit der Mutter flirtete (und sie mit ihm), wenn wir bei ihm ein Ruderboot ausliehen, um rauszufahren auf den See.

Unverändert steht es da, das Bootshaus. Ich kann das Knarzen der Holzplanken noch hören, wenn die Mutter über den Steg lief, um trockenen Fußes das Boot besteigen zu können (es ging wohl eher drum, sich von S. ins Boot hineinhelfen zu lassen, denn er hielt sie immer an der Hand, sobald sie die erste Sprosse der Leiter betrat, die vom Steg ins Wasser hinunterragte).

Kann das Knirschen und Klackern der Uferkiesel noch hören, über die ich in dem türkisen Jerseykleidchen mit dem Segelbootmuster (die Basttasche über der Schulter und die Sandalen in meiner Rechten) ins Wasser hineinging, um von dort aus ohne helfende Hand in das Boot zu klettern, in dem die Mutter bereits saß und selten selig vor sich hin lächelte.

Der S. wohnt im oberen Ortsteil, ist nun 79 und längst nicht mehr Bootsverleiher, bestimmt aber immer noch so braungebrannt wie 1979.

Haben Sie ein schönes Wochenende & bis demnächst!

Destination Gotland: Letzter Gruß aus München & eine Einladung für Sie.

Pack‘ ma’s! – wie der Bayer zu sagen pflegt. Auf geht’s Richtung Norden!

Gestern ein letztes Mal im Liebslingsbad gewesen. 2.000m lang „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gespielt. Das Ergebnis daheim in die Tat umgesetzt. Und noch ein bisschen ergänzt. Dann die letzte meiner Listen zerrissen.
Anschließend dem Gatten eine neue Liste in die Hand gedrückt. Ein totales Novum. Nicht die Liste selbst, aber ihre Länge. Seit wir uns kennen und ich gelegentlich allein verreise ist es die erste, die nur eine Seite lang ist – er konnte es kaum glauben, war aber sichtlich begeistert, was man ihm mittlerweile so alles zutraut. Nach nur 13 Jahren 😉

Die paar Sachen… (und bevor Sie fragen: nein, der Stuhl bleibt hier!)

Jetzt ist es endlich soweit: alles gepackt und eingeladen, die kleine Zwei-Frauen-Crew fit, munter und startklar, der Himmel der Bayern zum Abschied herrlich blau und die Speicherkarte ganz frisch für die Fahrt mit einer Mischung aus 678 Musiktiteln bestückt.
iTunes sagt, die musikalische Datenmenge reicht für zwei Tage pausenlose Beschallung, also dürfte es auf der zweitausend Kilometer langen Fahrt bis zum Fährhafen in Schweden damit nicht langweilig werden (und ich bin ja eh kein Dauerhörer), wenngleich 342 der 678 Songs… (naja, lassen wir das, Sie können sich’s ja denken).

Fühlen Sie sich herzlich eingeladen und reisen Sie zahlreich mit uns!
Virtuell, versteht sich, denn real haben wir nicht mehr wirklich ein Platzerl für Sie frei in unserer kleinen Kutsche. 2 Kartons Hundeverpflegung (gemäß der Erfahrung: Gibt’s auf Reisen das gewohnte Futter, sind die Geschäfte täglich in Butter), 15 Kauknochen (jeden zweiten Tag einen), 3 Pfotenhandtücher (eine Waschmaschine sehen wir allerfrühestens in zwei Wochen), 1 Hundekörbchen (mehr als Alibi oder für Lokalbesuche), 1 Kasten Schneider Weiße TAP7 (das Bier in Schweden schmeckt entweder nicht oder ist sauteuer oder beides), 1 Rucksack mit Schwimmsachen (immer griffbereit, da essentiell für Leib und Seele), 1 große Tasche mit Technik-Geraffel (absurd eigentlich: allein fünf verschiedene Ladekabel sind dabei) und Literatur (zur Orientierung, Wissenserweiterung und Erbauung), 1 Tagesrucksack (mit dem sogenannten Nötigsten drin – Sie wollen nicht wissen, was das alles ist, aber ich schwöre: es ist nötig), und schließlich die Lücken zwischen den Kartons, Kästen und Rucksäcken äußert gut mit allerhand Klamottenkisten gefüllt (denn vom Hochsommer in den Weinbergen und der Lüneburger Heide über den Spätsommer auf Gotland und Farö bis hin zum Frühherbst in Stockholm, Malmö und der deutschen Nordseeküste müssen wir für alles gerüstet sein).

Und hier kommt für Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Link, unter dem Sie sich Ihren „Mitreiseplatz“ reservieren können:

https://destinationgotland.travel.blog

Sie können uns als WordPress-Follower, als Email-Follower oder als nicht verfollowbarer Leser und/oder Kommentator begleiten, indem Sie als blinder Passagier unterwegs sind und einfach still und heimlich die Blog-URL aufrufen.
Vergessen Sie bitte nicht: fürs Kommentieren müssen Sie keinen WordPress-Account haben und auch kein registrierter Follower sein, sondern Ihrem Kommentar lediglich einen (echten oder fiktiven) Namen und eine Mailadresse beigeben, die niemand außer mir und dem Dackelfräulein sehen kann und wird.

Ich bin Ihnen allerdings auch nicht gram, wenn Sie die Wochen unserer Abwesenheit nutzen möchten, um sich Ihrerseits ebenfalls zu absentieren und wir uns dann erst im Oktober hier im üblichen Kraulquappen-Blog wiedersehen.
In diesem Fall jammern Sie aber bitte nachträglich nicht herum, dass Sie nichts von einer der schönsten Regionen Schwedens und einem noch viel schöneren, im Meer badenden und sandburggrabenbuddelnden Dackelfräulein gesehen haben sowie von all den Begegnungen, Verständigungsproblemen, Mückenstichen, Unterkünften, Schwimmbädern und Kuchenstücken auf unserer Reise nichts mitbekommen haben und Ihnen nebenbei auch noch ein paar Perlen aus dem glorreichen Œuvre des Herrn Springsteen entgangen sind.

Ganz unabhängig davon , ob Sie uns nun nach Schweden folgen möchten oder nicht: Sie können die nächsten Wochen auch damit überbrücken, dass Sie morgen einen gut sortierten Zeitschriftenkiosk aufsuchen und sich die neue Dog&Travel besorgen und sich mal angucken, wo wir das ganze Jahr über so herumstrawanzen.

Wie dem auch sei – wir sind dann mal weg.

Auf ein baldiges Wiedersehen (hier oder dort) & machen Sie’s gut!
Herzlich,
Ihre Kraulquappe.

Gut in der Zeit liegen.

„Ich liege gut in der Zeit“ – sagt man ja so, wenn man zum Ausdruck bringen möchte, dass man das zu Schaffende nicht nur schaffen wird, sondern es auch ohne in Hektik oder Verzug zu geraten hinbekommen wird.

„Ich liege gut in der Zeit“ – dachte ich vorhin, als ich von den ursprünglich vier Listen die dritte zerriss und mir die noch verbliebene, letzte Liste so ansah. Jetzt ist es nur noch Kleinkram und Packen, wobei das „nur noch“ für Letzteres nicht gilt. Denn das wird schon noch eine mittelgroße logistische Herausforderung, dieses Packen: wegen der zu treffenden Auswahl, der nötigen Beschränkungen und der intelligenten Einschichtung von all dem Krempel in den Kofferraum.

Gestern vom Papa verabschiedet. Schließlich sehen wir uns erst im Oktober wieder und vor längeren Reisen haben wir eh immer das Bedürfnis, uns unbedingt nochmal zu treffen. Man weiß ja nie. Weiß man zwar auch sonst nicht, aber egal, da ist halt ein gefühlter Unterschied zwischen „ich hier“ (München) und „er dort“ (Tegernsee) und „ich auf Gotland“ und „er in Sankt Petersburg oder dann wieder am Tegernsee“.

Überhaupt: alle Hiesigen nochmal getroffen in den letzten zwei, drei Wochen, so viele schöne Begegnungen und Unternehmungen, See- und Stadtspaziergänge, köstliche Streifzüge durch die oberbayerische Streuselkuchen- und Hopfenlandschaft.

Mein großer Freund S. schickt uns ganz unverhofft den geänderten Steuerbescheid zu, der Einspruch war nach fünf zähen Monaten des Ringens und Wartens doch noch von Erfolg gekrönt und erlaubt nun unterwegs ein paar Kanelbullar mehr (und evtl. sogar einen Besuch im sündteuren Systembolaget).

Und der Verlag schickt mir die Belegexemplare zu – der große Heimat-und-Herzblut-Artikel sieht fein aus (was überwiegend daran liegt, dass der darin abgebildete Hund so fein aussieht) und erscheint nächste Woche, wenn das Dackelfräulein und ich bereits on the road sind.

Daheim klar Schiff gemacht, wie vor jeder großen Reise, damit im Falle des Falles die Nachwelt weder Mühe noch Aufwand hätte, keinerlei Chaos vorfände und sich sogleich in Ruhe darum kümmern könnte, die gewünschte musikalische Untermalung für die Funeralien zu organisieren (was ja neben dem emotionalen Aufruhr eh Aufwand genug wäre). Das mögen Sie eventuell makaber finden, aber ich bin kein Nach-mir-die-Sintflut-Typ, habe da eine pragmatisch-ordnungsliebende Einstellung und sozusagen das Bedürfnis nach einer besenreinen Abreise.

Ich liege also gut in der Zeit mit allen Vorbereitungen (ein seltsamer Ausdruck: kuschelt man da genüsslich mit der Zeit in einer Hängematte und schlürft dabei einen Cocktail, oder wo und wie liegt man da herum?). So gut, dass ich jetzt sogar ein freies Zeitfenster gefunden habe (Zeitfenster – ein ebenso seltsamer Begriff: die arme leibnizsche Monade war ja eine fensterlose, aber die Zeit scheint Luken zu haben, die man öffnen und aus denen man in den Müßig_gang oder das Universum hinauswinken kann?).

Wie dem auch sei: mein freies Zeitfenster verbringe ich justament sitzend und nicht liegend, obwohl ich gut in der Zeit liege und mich auch für ein Stündchen hätte hinlegen können. Immerhin habe ich die Füße hochgelegt. Und ich blättere dazu im Konversationslexikon des großen bayerischen Sprachwissenschaftlers G. Polt (das Sahnehäubchen des Müßiggangs, darin zu blättern!). Und ich cappucciniere.

Lassen Sie es sich gut gehen an diesem Sommerwochenende, freuen Sie sich nach Möglichkeit Ihres Lebens und fühlen Sie sich herzlich gegrüßt!

Ihre Kraulquappe.

Deckl drauf & bloß nicht Verweilen.

Gestern eine kleine Teststrecke gelaufen, um die Sache mit der aktuellen, alpinen Dackelperformance mal unter vernünftigen Bedingungen gründlich zu überprüfen. Ob es wirklich nur die FSH-Thematik ist oder doch noch was anderes. Lieblingsberg vom Fräulein ausgewählt, mit Lieblingsaufstieg und das auch mit besten Verhältnissen (genug getrunken, moderates Sommerwetter, gut geschlafen usw.).
Vom Ergebnis soll ein andermal die Rede sein, ich muss das noch ein wenig in mir hin und her wenden, mit dem Gatten besprechen und überdenken und dann weitersehen, was wir da tun werden.

Jedenfalls ist eines klar: das Hochgebirge lassen wir gemeinsam momentan mal schön bleiben, denn ich geh keine 6 Stunden (netto) mit Hund irgendwo hinauf, wenn ich nicht so gut wie sicher sein kann, dass das für sie auch wirklich gut geht, denn ich weiß ja nicht mal genau, wie gut es für mich geht, und dieser Umstand zweifacher, latenter Ungewissheit kollidiert dann mit meiner eisernen Devise: Geh mit deinem Hund nur die Touren, bei denen du neben der Kraft, die du für deinen eigenen Aufstieg/Abstieg und deinen Tourenrucksack brauchst, immer noch genug Kraftreserven hast, um den Hund über längere Strecke zu tragen, falls das nötig werden würde.
Also kommt das derzeit nicht in Frage.

Der heiterste Moment gestern, neben einer weiteren angenehmen und gesprächsintensiven Begegnung auf der Alm (Vater, 78, mit Sohn, Anfang 50, aus Deggendorf, sehr nett anzuhören, was Dialekt und auch Inhalt anging) war dieses Schild, das uns gleich nach dem Abstieg am Seeufer begrüßte:

Ich, noch ganz mit dem Abstreifen eines gewissen Reportagenschreibekels (was das typische Reisevokabular und bestimmte touristische Formulierungen angeht) beschäftigt, geh da so und seh dieses Schild und bin geradezu entzückt, dass mitten in dieser paradiesischen Natur an einem der oberbayrischen Parade-Seen ein Hinweis steht, dass an Ort und Stelle mal nichts zum Verweilen einlädt.

Weder irgendeine olle Aussichtsbank noch eine reizvolle Erhebung oder ein lauschiger Biergarten oder ein idyllischer Park oder gar ein romantischer Steg mit Panoramablick.

Bitte zügig durchschreiten und nicht verweilen – das ist auch mal toll, beinahe heilsam, zumindest eine wahre Wohltat für meine gestern noch recht strapazierte Wahrnehmung und Verfassung nach Abgabe meines letzten Magazinbeitrags.

Der Spaziergänger wird also gewarnt und ermahnt sowie zur seeseitigen Straßenseite geschickt, und auch dort lädt nichts zum Verweilen ein, sofern man den Blick vom Karwendelgebirge am Horizont und dem Türkisgrün des Wassers abwendet und ihn einfach mal übers Geländer wirft oder unter dem Geländer hindurch, so wie Pippa das alle paar Meter tat.

Irgendwann guckte ich dann auch mal nach, was sie da eigentlich dauernd zu gucken hat und staunte nicht schlecht: riesige, dicke Schlangen (für hiesige Verhältnisse), alle 2 Meter (!) so ein zusammengekringeltes reptiles Tau (Durchmesser 3 bis 5cm, Länge gottseidank nicht feststellbar, aber enorm viele Tauwindungen), das sich an der steilen Uferböschung sonnt oder munter den Kopf hebt und züngelnd den Hund anguckt, mal schwarz, mal grüngrau mit Muster, ich will’s gar nicht wissen, wie die Genossen heißen und was ihre Hobbies sind.

Am See unten sitzend, in einer schlangenfreien, aber ameisenreichen Wiese, vermissen wir dann die liebe D., die eigentlich mitkommen wollte, aber leider noch zu erkältet war, und überhaupt hängt ein Hauch Wehmut über fast allem an diesem Nachmittag, an dem passenderweise kaum etwas zum Verweilen einlädt.

Vater und Sohn, die nette Almbekanntschaft, holen uns nochmal ein, gemeinsam läuft man am Seeufer zurück zum Ausgangspunkt (was für eine Woche: gleich 2x mit Fremden gewandert), und auch die beiden umwittert ein Hauch von Wehmut, denn dem Vater tut das Knie sehr weh und dem Sohn schwant, dass das die letzte gemeinsame Tour gewesen sein könnte, und während Vater müde am See unten sitzenbleibt, steigen Sohn und ich nochmal ein Stück hinauf zum Parkplatz am Kesselberg, wo die Autos stehen, und reden über unsere Väter und das Älterwerden.

Und über unsere Hunde, seiner schon ein paar Jahre tot, aber allein die kurze Erwähnung der ach so guten Zeiten mit dem wunderbaren Cockerrüden treibt dem Sohn die Tränen in die Augen – und ich bin sehr froh um meine Sonnenbrille.

Nun soll’s hier nicht so trüb enden, das Erzählte war ja schließlich gestern und heut sieht die Welt schon wieder bunter aus, die Isar funkelte so schön in der Sonne und das Frisbeespielen im Wasser hat viel Freude gemacht, vor allem dem Dackelfräulein, und während ich die Handyfotos von gestern so durchscrolle, entdecke ich da noch eines, das den pragmatischen Charakter und das bayrische Gemüt der Wirtsleute oben auf der Alm (seit eh und je dasselbe Ehepaar) ebenso prima beschreibt wie die offenbar ständig deppert mit dem Milchkanndl herumhantierenden und herumpritschenden Gäste – und mit diesem Bild wollen wir heut enden.

Und denen, die nicht lesen können, sagt der Wirt einfach kurz Bescheid: Da Deckl bleibt drauf und a Rua is!
Haben Sie einen schönen, geruhsamen Abend.

Song des Tages (35).

Im Spätsommer dieses Jahres wird es fünf Jahre her sein, dass ich mich zusammen mit dem Dackelfräulein in Oskarshamn an der schwedischen Ostküste auf die große Fähre begab, die uns nach Gotland brachte.
Damals ging ich mit einer Menge Ballast an Bord: den Job gerade nach unendlich langem Anlauf gekündigt, kurz vor Abreise vom Hirntumor der Mutter in Kenntnis gesetzt worden, der Gatte völlig überraschend beruflich in der Bredouille – irgendwie das ganze Leben gefühlt im Umbruch oder sogar auf der Kippe – ich war wirklich reif für die Insel.

Und es war eine wichtige Reise für mich: allein bis dort oben zu fahren, allein auf dieser Insel unterwegs zu sein, auf die ich schon als Kind immer wollte, weil meine damalige Lieblingsserie dort gedreht wurde: Pippi Langstrumpf.
Ich habe Pippi geliebt und bewundert: wie sie allein ihr Leben stemmte, mit ihren beiden Tieren und einer Schatztruhe voller Goldmünzen, wie stark und fröhlich sie war, wie ihr immer für alles eine Lösung einfiel – und ich war in meiner Begeisterung sehr geneigt, am Papa deutliche Parallelen zu Kapitän Ephraim Langstrumpf erkennen zu wollen.

Das Original der Villa Kunterbunt steht heute noch an der Westküste Gotlands. Anschauen konnte ich sie mir damals nicht, weil der Vergnügungspark, der mittlerweile um sie herumgebaut wurde, leider (oder gottseidank: ein Horror, solche Parks) schon geschlossen hatte.
In Schweden, müssen Sie wissen, endet die Saison zeitgleich mit den schwedischen Sommerferien, also rund um den 20. August. Auf dem ja doch etwas abgelegenen Gotland hat dann außerhalb der Hauptstadt Visby fast nichts mehr geöffnet, was aber recht unerheblich ist, wenn Sie mit Hund dort herumreisen, weil Ihr Hund sowieso nahezu nirgendwo mit hineindarf, weshalb wir die Zeit auf der Insel damals auch recht autark in unserer kleinen, baufälligen Villa-Kunterbunt-Nachbildung verbrachten.

Nun werden wir Anfang September tatsächlich erneut übersetzen auf das Sylt Schwedens, diese einmalige Naturschönheit und geruhsame Sonneninsel, und zwar fast auf den Tag genau fünf Jahre später.
Diesmal von Nynäshamn aus, weil nur von dort aus die neue Flotte der Reederei ablegt, die das Dackelfräulein und mich zu dieser Reise eingeladen hat, um den Beweis anzutreten, dass Gotland auch mit Hund eine attraktive Destination sein kann (was wir gern ein zweites Mal genau unter die Lupe nehmen wollen, denn Schweden & Hund, das ist eher so ein Duo wie ich & die Stechmücke).

Der neue Luxuskreuzer hat nicht nur eine Pet-Lounge (quasi die Economy Class, wenn Sie mit Hund auf einer Fähre reisen), sondern eine Pet-Cabin (eine eigene Kabine, mit Liegegelegenheit für Frauchen & Wauwauchen), so dass wir diesmal in der Business Class und völlig unbehelligt von etwaigen seekranken Kaniden um uns herum nach Gotland hinüberschippern werden.

Es hat Monate gedauert, bis das alles im Detail geklärt war: Welcher Termin würde allen Beteiligten passen, was für Präferenzen gibt es auf unserer Seite, welche Unterkünfte kämen in Frage, welches Programm ist für Pippa geeignet, was wird alles gesponsert, was erwarten die von mir und dem Fräulein, und, nicht zu vergessen: wo ist das nächste Schwimmbad und wann hat es geöffnet?
Monate hat es auch deshalb gedauert, weil die Hamburger Agentur, die das alles im Auftrag der Reederei organisiert, gleich zu Beginn den Fehler gemacht hatte, mich explizit nach meinen Wünschen zu fragen und nach jedem Update (so reden die da) zu einer ehrlichen Rückmeldung aufzufordern (sorry, zu einem Feedback natürlich).

Mittlerweile ist die Sache im Kasten, besprochen, gebucht und meine Wünsche wurden nach einigem Hin und Her fast alle berücksichtigt (und die finale Version des Programms, die vor ein paar Tagen ins Mailpostfach flatterte, zierte die nette Überschrift Agenda for Mrs. Kraulquappe and her dog lady):

– keine Gruppenreise und überhaupt so wenig Menschen wie möglich
– die Hotels mit Grünflächen drumrum und Parkplatz davor
– Aufbruch nicht vor 9 Uhr morgens, damit Zeit für die diversen Geschäfte bleibt
– keine fettigen Mittagessen, die einem den Tag ruinieren
– Rücksichtnahme auf die gewohnten Gassizeiten des Fräuleins
– Abendessen möglichst früh und nur in Lokalen, in denen das Dackelfräulein ebenfalls willkommen ist
– stets abwechselnd einen Tag Programm und einen Tag zur freien Verfügung
– Privatführung durch die historische Altstadt von Visby inkl. Besuch eines hundefreundlichen Cafés
– Besichtigung einer Farm, auf der echte Gotlandschafe gezüchtet werden
– Baden in der legendären Blauen Lagune, je nach Temperatur nur das Fräulein oder aber wir beide
– zweitägiger Ausflug auf die Insel Fårö, auf der Ingmar Bergman gelebt und gedreht hat
– Besichtigung der Villa Kunterbunt, die die Wirkungsstätte von Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf war.

Natürlich hat der riesige Vergnügungspark, in dem die Villa steht, auch diesmal geschlossen. Ist ja wieder September und Gotland somit von allen Touristenhorden verlassen.
Weil unsere private Führerin vom Gotlands Turistbyrå aber jeden Menschen und jedes Schaf auf der Insel kennt, kommen wir da nun auch außerhalb der Öffnungszeiten hinein.
Was bedeutet: Keine doofen Wartezeiten, keine kreischenden Kinder, keine anstrengenden Menschenmassen und vor allem kein Hundeverbot, an das man sich noch halten müsste.
Das Dackelfräulein wird also als erster (und vielleicht einziger) Hund ever die Villa Kunterbunt betreten!
Wer weiß, vielleicht bekommen wir sogar noch Zutritt zu dem Wasserpark, der Teil des Vergnügungsparks ist: sieben Pools, neun Wasserrutschen und den 160 Meter langen Shark River – und das alles für uns alleine. Hey, das wär‘ mal was, oder?

Dann wär’s nämlich genauso wie in dem Lied, das ich einst als Kind immer mitgesungen habe, wenn Pippi Langstrumpf auf dem Rücken vom Kleinen Onkel durch die Wiesenhügel hinter der Stadtmauer von Visby ritt und dabei trällerte:

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt
und Drei macht Neune
Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt

Gotland, wir kommen!
Und diesmal lässt du meine Hundedame in deine Cafés und Lokale rein und zwar ohne Murren und spendierst ihr die dickste Lachsforelle der Saison für die so schmähliche Behandlung bei unserem ersten Besuch…

Für mich ist das alles eine ziemlich große Sache, müssen Sie wissen, denn wenn ich fünf Jahre zurückdenke, an Gotland 1.0 im Jahre 2014, so hätte ich mir damals echt nicht träumen lassen, dass ich da je nochmal hinkommen würde, geschweige denn eines Tages als Autorin mit Hund dorthin eingeladen werde.

Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn Sie ab Ende August Zeit und Lust hätten, mich auf dieser Fahrt zu begleiten.
Für die Dauer der Reise dann nicht hier, sondern in einem anderen Blog, aber natürlich mit den altbekannten Protagonisten und Visagen: das Dackelfräulein & ich (und die Schwimmflossen & der Bruce sind selbstverständlich auch mit dabei). Statt dem ewigen Mix von Seen&Bergen bekämen Sie mal Meer&Rauken zu sehen und überhaupt so manches, was es im schönen Bayern nicht gibt.
Im Kraulquappen-Blog wird parallel Sendepause herrschen, d.h. Sie werden in Ihrem Reader oder Maileingang keinesfalls doppelt von uns beballert.
Also: Kommen Sie recht zahlreich mit uns in den hohen Norden!

Unsere Reiseadresse sowie Ihre Mitreiseformulare finden Sie rechtzeitig hier in diesem Blog.

In diesem Sinne & für heute:
God natt, sov gott och dröm sött!

10 Dinge, die ich in 5 Jahren Bloggen gelernt habe.

WordPress gratuliert mir morgens um kurz vor 4 zum 5-jährigen Jubiläum. Zeit für ein kleines Resümee.

1. Die Blogosphäre: Eine unendliche Spielwiese für Identitätsentwürfe aller Art und Unart. Ein Blick durchs Schlüsselloch in die Reinräume diverser Selbsttherapien und in die Verliese vermeintlich Austherapierter – ein weites Feld und noch mehr, das alles.

2. Zwischen bloggender Kunstfigur und realer Person hinter Text/Bild unterscheiden zu können, ist gleichfalls Kunst. Eine, die ich mangels diesbezüglicher Phantasie oft nur ungenügend beherrsche.

3. Es gibt Blogger, die unter lautstarkem Vorgeben von Authentizität schreibenderweise eine komplette Biographie erfinden. Um sich dann ganz authentisch darüber zu freuen, wenn andere das lesenderweise für bare Münze nehmen.

4. Man kann überall Freunde finden. Auch in der World of WordPress.

5. Beim Bloggen über Fußball hört der Spaß auf. Bei bestimmten Vereinen sowieso.

6. Worte verbinden nur dort, wo Wellenlängen übereinstimmen. Da hatte Max Frisch schon recht.

7. Dass jemand Follower wird, heißt noch lange nicht, dass derjenige dir folgt (im Wortsinne) oder dem, was du schreibst, folgen kann (im Hirn- oder Humorsinne). Und es heißt erst recht nicht, dass er deinen Blog aufmerksam oder überhaupt verfolgt.

8. Ein Like bedeutet manchmal weder, dass der Liker deinen Beitrag gelesen hat, noch, dass er ihm gefällt. Manchen rutscht einfach nur die Maus oder der Finger aus.

9. Ein Dackelfoto (be)wirkt mehr als 1000 Worte. Diese Erkenntnis sollte womöglich ernster genommen werden (doch besser zu Instagram auswandern?).

10. Mehrere Fotos von zwei Dackeln (wie gestern) – und die Aufrufzahlen gehen durch die Decke (ich bin noch nicht im Stande, „viral“ korrekt in einen anständigen Satz einzubauen, daher die altmodische „Decke“, aber immerhin eine im Altbau). Das gibt mir ziemlich zu denken.

Vom Wachstum gleichursprünglicher Dämlichkeit und Ermüdung.

Als Abonnentin der Süddeutschen erhalte ich freitäglich eine Email aus der hiesigen Zeitungsredaktion. Oft lese ich sie auch (schließlich ist sie an mich persönlich adressiert). Gelegentlich steht Erhellendes zum Weltgeschehen der ausklingenden Woche drin, selbst wenn es eine ist, die von Düsternis geprägt war.

Und ab und an – je nach Verfasser/in – enthält dieser Brief sprachliche Highlights, die so köstlich munden wie ein zartschmelzendes, kühles Sahnehäubchen auf einem Stück Streuselkuchen, das ich mir gelegentlich im Herbst gönne, wenn sich Zwetschgen unter der Streuselschicht aufhalten.

Die heutige Sahneportion der Redaktionspost würde sogar für mehrere Kuchenstücke, vielleicht gar für ein ganzes Blech Datschi reichen, deshalb kann ich sie glatt mal mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, teilen.

*****

Freitag, 21. Juni 2019

Sehr geehrte Frau Kraulquappe,

am Dienstag ist Jürgen Habermas neunzig geworden. Das SZ-Feuilleton hat ihn mit zwei großen Artikeln von Johan Schloemann und Jens Bisky gewürdigt. In der Welt des Digitalen nennt man heute solche Aufsätze long reads. Habermas ist nicht nur der bedeutendste Philosoph der Bundesrepublik, sondern er zählt auch zu den Gründervätern des very, bisweilen sogar des extremly long read. Sollten Sie Zeit haben, gar pensioniert sein, nehmen Sie doch zum Beispiel mal die „Theorie des kommunikativen Handelns“ zur Hand. Krass viele Seiten, würde mein Sohn sagen.

Gelesen wird Habermas in aller Welt. Mich würde, läse ich denn chinesisch, interessieren, wie sich Habermas auf Chinesisch liest. Als ich vor langer Zeit in München studierte, las ich ihn auf Deutsch. Na ja, nicht „ihn“, sondern erst mal seinen „Strukturwandel der Öffentlichkeit“. Das war nicht unbedingt einfach, denn der Philosoph als solcher drückt manchmal das, was er so denkt, in einer Sprache aus, die dazu führt, dass man erst einmal sehr nachdenken muss, was er sagt, bevor man sich der oft angenehmen, manchmal höchst mühsamen Arbeit unterzieht, verstehen zu wollen, was er meint.

Nun ist Jürgen Habermas auch ein politischer Philosoph, der als Kommunikationstheoretiker durchaus versteht, dass das Aufrichten von Barrieren aus Worten nicht dazu dient, die Kommunikation zu fördern. Lesen darf schon auch Arbeit sein. Aber wenn Lesen in erster Linie Arbeit ist, wenn man zum Beispiel niedergeheideggert wird, dann verfehlt ein Text, ein Aufsatz, ein Buch seinen Sinn. Wer etwas schreibt, entäußert sich seiner Gedanken – er (oder sie) gibt sie weg, teilt sie mit anderen, veröffentlicht sie im Sinne des Wortes. Werden diese Gedanken aber so formuliert, dass sie kaum jemand versteht, ist diese Form des Schreibens dann eben keine kommunikative Handlung, sondern irgendwas zwischen Selbsttherapie und verbalem Instagram (ich poste, also bin ich).

Nun ist die Philosophie in gewisser Weise so wie das Kochen oder der Gebrauchtwarenhandel in Mode gekommen. Im Fernsehen sieht man beim Zappen unablässig Menschen, die in einer Küche stehen oder essen und dabei von lustigen Köchen und Köchinnen bewertet, beaufsichtigt oder gemaßregelt werden. (Doch, ich glaube fest daran, dass diese Form der Kochsendungen etwas über den autoritären Charakter aussagt, dem sich der oft verständlich schreibende Philosoph Erich Fromm gewidmet hat.) Neben dem Kochen sieht man im Fernsehen auch viele Menschen, die sich dem Kaufen, Verkaufen und Ersteigern von Zeug jeder Art, das älter ist, hingeben. Die einen, zumeist tätowierte Amerikaner, kaufen in Doku-Soaps den Inhalt von Lagerräumen auf; die anderen bewerten Madonnen aus Familienbesitz oder zahlen vor Kameras 80 Euro für ein mobiles Bidet aus dem 19. Jahrhundert. Neben den alltäglichen Exhibitionisten aus den verschiedenen Casting-Shows sind Köchinnen und Altwarenhändler die Leitfiguren der modernen Populärkultur geworden. Dies spricht, um an die Begriffswelt von Habermas anzuknüpfen, nicht unbedingt für die Weiterentwicklung der deliberativen Demokratie, sondern eher für das Wachstum gleichursprünglicher Dämlichkeit und Ermüdung.

So wie es die Fernsehköche und die Fernsehantiquitätenhändler gibt, gibt es auch die Fernsehphilosophen. Sie haben gerne etwas längere Haare, was möglicherweise ein Ausdruck intellektueller Bonhommie ist, und/oder einen Bart. Es sind überwiegend Männer, wohl weil Männer eher dazu neigen, sich gegenseitig einfach durch ein Gespräch miteinander zu versichern, dass der jeweils andere bedeutend ist, ohne dies ausdrücklich sagen zu müssen.

Neben den bonhommistischen TV-Philosophen existieren dann auch noch jene, gerne ökologischen Denker, denen man auf den auch tagsüber nächtlichen Sendern wie Arte, 3sat oder gar ARD-alpha begegnet. Wenn ich einmal richtig erwachsen bin, würde ich gerne auf ARD-alpha eine Nachdenk-Sendung moderieren. Ich befürchte allerdings, dass ich nicht so lange am Leben sein werde, um jenen Reifegrad zu erreichen, den auf ARD-alpha schon manche deutlich Jüngere als ich an den Tag beziehungsweise in die Nacht legen.

Habermas ist kein Fernsehphilosoph, auch wenn es nicht grundsätzlich verwerflich ist, im Fernsehen aufzutreten, selbst als Philosoph. (Die Wahrscheinlichkeit, dass Habermas doch der Ansicht sein könnte, es sei verwerflich, als Philosoph im Fernsehen aufzutreten, ist größer als die Wahrscheinlichkeit, dass sich Sloterdijk mal die Haare schneiden lässt.) Man muss, wenn man das will, Habermas lesen, nicht unbedingt sehen.

Der bescheidene Philosophieboom hat auch dazu geführt, dass eine Menge interessanter Bücher über Philosophie und Philosophen erschienen sind, die einem unter anderem auch die Beschäftigung oder Wiederbeschäftigung mit den Originaltexten erleichtern. „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger ist so ein Buch; „Wiedersehen mit den Siebzigern“ von Ulrich Raulff ein anderes; auch die diversen Bücher von Yuval Noah Harari regen das Denken und Weiterlesen an.

Ob ich das im September erscheinende neue extremly long read von Habermas angehen werde (1700 Seiten, „Auch eine Geschichte der Philosophie“) weiß ich nicht. Kann aber schon sein.

Eine meiner philosophischen Lieblingserfahrungen nämlich ist eine Habermas-Erscheinung. Vor Jahren war ich mal in einer Buchhandlung in Starnberg, die es heute nicht mehr gibt. Vor einem Regal, in dem die anspruchsvolleren Sachen standen, erblickte ich einen weißhaarigen Mann, der einen Staubmantel trug. (Philosophen haben gerne Staubmäntel, welche die zivile Version des Trenchcoats sind.) Es war der Starnberger Jürgen Habermas, der ein Buch in der Hand hielt. Das Buch war von Jürgen Habermas. Wahrscheinlich war sich Habermas kurzzeitig seiner eigenen Existenz unsicher. In seinem Buch stellte er dann fest, dass es ihn gibt. Deswegen mag ich Philosophie.

Ich wünsche Ihnen ein weises Wochenende

Kurt Kister
Chefredakteur

*****

Parallel zum Genuss einer Scheibe Zitronenkuchen unter den türkisen Bastschirmen des Lieblingscafés, zu meinen Füßen das Dackelfräulein, das mit dem entzückenden Rüden der Café-Inhaberin schmust (neben dem Kuchen der Hauptgrund, weshalb wir regelmäßig hierher gehen), überlege ich, ob es nun das verbale Instagram, das mobile Bidet aus dem 19. Jahrhundert, die Bezeichnung von Köchinnen und Altwarenhändlern als Leitfiguren der modernen Popkultur, der Halbsatz über die bedeutsamen Männer, die Ausführungen über die Nachdenk-Sendungen, der Schlussabsatz zur Begebenheit in der Starnberger Buchhandlung oder die Skizzierung jener Entwicklung, die für „das Wachstum gleichursprünglicher Dämlichkeit und Ermüdung“ spricht, ist, die mir in meiner heutigen Freitagspost am besten gefällt.

Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen allen – und dem Herrn Spike zum heutigen Tage einen feinen Kuchen mit einer extra großen Sahnehaube!

So sollte es sein.

Notiz aus der Blogpause.

Unterwegs im Bierbichler-Country. Der Hammer, dieses Hinterland am Ostufer des Starnberger Sees. Warum ist man da nur so selten?

Wiesenpfade nach des Fräuleins Geschmack, zumal bei 27 Grad, wo jedwede Kühlung willkommen ist. Schönste Kircherl und Friedhöfe. Ein paar Kühe und Bächlein. Beste Aussicht auf See und Berge.

In Oberambach kurz das Hotel besichtigt, das man im Magazinbeitrag zu empfehlen gedenkt. Nette Chefin. Zeigt einem das Gelände und die Remise mit den sechs Zimmern für Urlauber mit Hund. Spendiert einem einen Hugo auf der schattigen Terrasse des Schlossguts, „(…) schreiben’S was Gutes über uns!“. Hätte ich eh, bei der Lage und dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

So sollte es sein. Wenn man damit eines Tages mal mehr verdienen würde als den Hungerlohn, den so ein Beitrag einbringt, dann wär’s geradezu perfekt. Ambulare et delectare. Scribere et bibere.

Dann hinunter nach Ambach, wo der Bierbichler Sepp lebt, isst, trinkt und schreibt. Ins Familienlokal mit Biergarten – und eigenem Seezugang. Endlich mal ein Fleckerl in diesem Landkreis, wo der Hund ins Wasser darf. Wo keiner meckert. Dank der hohen Tennisballdichte hier hat Madame auch gleich wieder was zum Spielen gefunden.

Warum eigentlich irgendwohin in Urlaub fahren? Alles da.

Sie hat manchmal wollen den Sonnenschein auf ihren Hut stecken und die Abendröte umarmen.

[Blogbeitragsüberschrift frei nach Adalbert Stifter]

Weil die liebe B., die derzeit in N. auf U. weilt, sich schon latent sorgt, ob wir womöglich im See oder Freibad ertrunken sein könnten, weil es hier derzeit etwas ruhig geworden ist, nun ein kleines Lebenszeichen in Bildern, quasi eine Dokumentation so mancher Stationen oder Aktivitäten der letzten Tage:

Ausflug an den Ammersee: Diesmal Westufer, wieder viele Fotos, vor allem von Fräulein Seehund…

…aber auch von den Sehenswürdigkeiten in Dießen.

Erstes Selfie mit dem neuen Handy: Schön schattig, das kaschiert fast alle Falten.

Begleitung hatten wir auch: Meinen großen Freund S. und seine Kamera, die viel besser ist als meine.

Wanderung von Dießen zur Schatzbergalm: Könnte eine sehr schöne Tour sein, wenn wir nicht auf dem Schatzberg von einer Mückeninvasion heimgesucht worden wären.

Szenen auf dem Tisch: Die König-Ludwig-Desinfektion der Mückenstiche von innen.

Szenen unter dem Tisch: „Warum esst ihr was und ich krieg nur einen doofen Napf voll Wasser?“

Der Sommerhitze trotzen: Erfrischung, und zwar für alle (sagt auch die Abendzeitung – ich check nur nicht, was die Gourmets mit Baden zu tun haben).

Absurd: Die längste Hundewurst der Welt, aus ihrem 60cm x 75cm-Korb gerutscht.

Mein erstes Erfolgserlebnis auf Balkonien (von der blauen Hortensie wollen wir lieber schweigen).

Pfingsten in München: Englischer Garten, große Gassirunde, Rast im Aumeister.

Clever Shoppen: Am Tag nach dem Mega-Unwetter im Münchner Westen in einen Pflanzenmarkt im Münchner Westen fahren und die wegen Topf- und Blattschäden stark reduzierte Ware als Ersatz für so manch misslungenes Balkonprojekt mitnehmen.

Unterschlagen wurden in dieser bunten Auflistung:

  • diverse langweilige Büroarbeiten
  • stundenlange Recherchen für den nächsten Magazinbeitrag
  • einige Akquisitonstätigkeiten
  • Matthias Forenbacher in Endlosschleife hören
  • zeitaufwändiges Einbalsamieren der zehn fetten Mückenstiche nach dem Ausflug mit S.
  • alle weiteren Haushaltstätigkeiten der letzten sechs Tage
  • zwei Läufe im benachbarten Park
  • zwei Schwimmbadbesuche, einer davon mit Kampfeinsatz (Pfingstandrang, Beckenquallen, Randspringer)
  • Kauf und Zubereitung eines sündteuren Bio-Rindersteaks zur Aufrechterhaltung des Ferritinwerts
  • kontemplative Stunden mit Sonne und Weißbier auf der Parkbank vorm Haus
  • Installation eines neuen Handys inkl. Datenübertragung vom alten Handy
  • Reiseplanungen für den Spätsommer samt haarsträubender Mailkommunikation mit etlichen Hotels im Ausland, die sich erdreisten, für einen kleinen Dackel pro Nacht 25€ kassieren zu wollen, was jeweils in keiner Relation zum Zimmerpreis für den Menschen steht
  • extensiver Konsum von Huberbuam-DVDs in den späteren Abendstunden, um den nachfolgenden Träumen ein paar neue Impulse zu geben (leider die 3D-Brille nicht vertragen)

Herzliche Grüße an die Leserschaft & der lieben B. noch eine erholsame Zeit an der Ostsee!
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (59): Der Dino im Grundwassersee.

Die Uferbereiche des Starnberger Sees sind zwischen dem 15. Mai und dem 15. September für Hunde verboten.

Nicht mal an der Leine dürfen sie dem See zu nahe kommen. Und zwar überall & ausnahmslos. Und das hat nix mit brütenden Wasservögeln zu tun, nein!
Sondern das liegt daran, dass es zu viele Idioten gibt, die ihre Hunde am See nicht vernünftig zu beaufsichtigen oder zu beschäftigen wissen (oder die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht beseitigen), so dass Badegäste sich gestört fühlen, weil ein triefnasser Hund sich auf ihrem Handtuch räkelt oder sich neben ihrer Picknickbox das Wasser aus dem Fell schüttelt und anschließend nach den Wurstbroten schnappt.
Und es liegt daran, dass es ebenso viele Idioten gibt, die denken, dass ein Hund beim Baden ins Wasser pieselt (völliger Unsinn einerseits und erstaunlich andererseits, dass sich über das tatsächlich munter in den See abgelassene Kleinkindpipi niemand echauffiert).

Es ist wie es ist.

Zumindest bis die diversen Petitionen im Landkreis vielleicht und hoffentlich Wirkung zeigen und Hundebadestrände eingerichtet werden. Bis dahin muss man an ausgesuchte Stellen am Ammersee ausweichen, an dem es deutlich liberaler zugeht – oder an einen der 27 anderen Seen.

Schön und gut, sofern man nicht gerade an einem Artikel übers Fünf-Seen-Land arbeitet, dessen Hauptsee (weil am größten und bekanntesten) nun mal der Starnberger See ist.

Also müssen Zeiten und Orte gewählt werden, wo man trotz der Restriktionen zu seinen Fotos kommt sowie eine Tour zurechtgeschnitzt werden, bei der einem unterwegs der Hund nicht schlapp macht (wegen der Affenhitze).

Zunächst hatte ich große Bedenken, dem Dackelfräulein bei 27 Grad die geplante 12km-Fotoshooting-Runde zuzumuten, obwohl ich den frühen Morgen damit zugebracht hatte, die Route so zu planen, dass sie alle 20 Minuten eine Badegelegenheit bietet und überwiegend auf schattigen Nebenwegen verläuft. Aber ein paar Asphaltstücke lassen sich halt ebenso wenig vermeiden wie einige sonnige Wegabschnitte.

Wider Erwarten war das alles dann gar kein Problem und der gesamte Ausflug ganz nach des Dackelfräuleins Geschmack.

Im Seeshaupter Hinterland gibt es ein paar kleine Seen, für die sich keine Sau interessiert, weil sich alle runter nach Seeshaupt und den Starnberger See orientieren.

Benediktenwandblick vom Seeshaupter Höhenweg.

Ein wunderschöner Höhenweg, den wir ganz für uns allein haben, so dass wir in aller Ruhe das Alpenpanorama genießen oder uns in Hasenkötteln wälzen können, führt uns über Wiesen und durch kleine Waldgebiete schließlich zum Grundwassersee, von dem ich bis heute noch nie gehört hatte.

Eine nette Anwohnerin, die wir ganz unkompliziert kennenlernen, weil das Dackelfräulein unbedingt die Hühner der Anwohnerin kennenlernen möchte, zeigt uns den Trampelpfad zu dem kleinen See.

Auch dort sind wir völlig ungestört. Pippa stürzt sich sofort ins Wasser…

…und kommt stolz wie Oskar wieder aus dem See heraus: mit einem Dino im Schnabel!

Oder ist es Nessie?!? Wurscht, denn…

…es gibt kaum ein größeres Hundeglück als eigene Beute!

Den neuen Gefährten nehmen wir dann natürlich mit und zeigen ihm noch den Garten-, Ur-, Lust-, Gröben-, Frechen- und Starnberger See. Wird auch nicht jeder Dino von sich behaupten können, sieben Seen an einem Tag geseen zu haben!

Jedenfalls ist die Stimmung seit dieser Erbeutung top und die Affenhitze quasi vergessen.

Weiter geht’s in einen neu entdeckten Lieblingsbiergarten…

Achten Sie auf die „Himmel der Bayern“-Schirme!

…in dem alles – vor allem der Rhabarberkuchen! – stimmt, nur die Marke der leichten Weißen nicht…

…aber dafür haben wir nette Gesellschaft.
Der mountainbikende Münchner Goldschmied, mit dem wir uns das Schattenplätzchen teilen und mit dem Pippa sofort Freundschaft schließt, als er sein Schnitzel serviert bekommt, macht noch ein paar richtig kitschige Bilder von uns…

…bevor es dann wieder retour geht, nach Seeshaupt, auf einem schattigen Uferweg, hie und da von kleinen Bächlein durchkreuzt, in denen wir uns die Füße kühlen (und heimlich lassen wir uns sogar in einer winzigen Badebucht nieder und schwimmen ein Stück).

Unterwegs die ganze Zeit über tiefe Dankbarkeit empfindend…

…gesund genug zu sein, dort lustwandeln zu dürfen, sogar mit einem Groschen in der Tasche, der Kuchen & Getränk ermöglicht – und überhaupt ein solches Paradies in gut 30 Minuten ab Haustür erreichen zu können.

Ich möchte meine Heimat nicht verlassen. Niemals.