Leipzig (2): You sit and wonder just who’s gonna stop the rain.

Die heutige Blogstatistik spricht eine klare Sprache: die Leserschaft kann es entweder kaum erwarten, Teil 2 des Leipzig-Berichts zu lesen oder aber der Ministrantenimbiss-Post schlug ein wie eine Bombe (leider ist die Statistik ja nicht allzu detailliert).

Wurscht.
So oder so war ich noch nicht fertig mit dem Erzählen und schwelge noch im Gefühl vom vergangenen Wochenende.

Als der Kiefer vorgestern in Leipzig zu heftig an die Himmelspforte klopfte (voilà: hier kommt es, mein erstes WordPress-Video!)…

…bewahrheitete sich die Prognose der blöden Wetter-App leider doch noch…

…und das ausgerechnet am einzigen Konzertabend meiner fast 34-jährigen Konzertbesucherkarriere, an dem ich nicht in geschlossenem Schuhwerk, sondern in Sandalen unterwegs war…

…zum Glück aber in Hundebesitzer-Trampel-Sandalen und nicht in solchen mit feinen Lederriemchen oder Straßsteinchen im Geflecht, so dass das Wasser im Gummifußbett sommerwarm die Zehen umspielte und dem Schuh nichts weiter anhaben konnte.
Naja, und vom Rest des phänomenalen Abends haben Sie ja schon gestern gelesen.

Worüber noch kein Wort fiel, ist der Sonntag.

Das lag unter anderem auch daran, dass der mit einem Frühstück begann, das mich sprachlos machte. Zum einen, weil die Wartezeit für eine Tasse Kaffee ungefähr 10 Minuten betrug. Es gab sage und schreibe nur einen Kaffee-Automaten für alle Teilnehmer des Parteitages der Linken, alle Bach-Fest-Besucher, alle Kiefer-Sutherland-Fans und die paar Dödel, die sich am Vorabend zu Dieter Thomas Kuhn verirrt hatten.

Immerhin hatte das Hotelpersonal es nicht versäumt, das Display dieses einzigen Automaten auf den Sonntags-Modus zu stellen:

Zusätzlich zum „Wasser im Pott“ (für alle aus dem Ruhrgebiet Angereisten?) durften die Gläubigen es nach Herzenslust dem Herrn gleichtun und Teewasser zapfen, nach dessen Genuss sie mindestens zum Gehen über die Pfützen im Kopfsteinpflaster vor dem Gewandhaus befähigt wären.

Den anderen Moment der Sprachlosigkeit bescherte mir Sori. Als ich nach einem dieser längeren Kaffeeholausflüge zu ihr an den Tisch zurückkehrte, hatte sie die Zeit meiner Abwesenheit genutzt, um mir einen Brief zu schreiben. Wir Frauen sind so. Wenn wir nicht live miteinander reden können, schreiben wir uns sofort und mit großer Freude Briefe, Emails, Whatsapps.
Vor meinem Frühstücksteller lag ein Kuvert, drauf stand mein Name. Ich fragte, ob ich den Brief gleich lesen solle oder erst später im Zug. Wie ich es lieber wolle, sagte Sori.

Neugierig öffnete ich sofort das Kuvert (Geduld gehörte noch nie zu meinen Tugenden) und drin war kein Brief, sondern ein Stapel Schwarz-weiß-Fotografien, die etwas historisch anmuteten. Ich nahm sie aus dem Umschlag und erkannte den Bruce meiner Jugend (am Gesichtsausdruck, an der Frisur und am shirtsprengenden Bizeps)!
Beim näheren Betrachten begriff ich dann: das waren Original-Fotografien aus den 1980er-Jahren, also genau aus der Ära, in der meine lebenslange Liebe begann.

Und als Sori mich fragte, ob ich denn nicht das Stadion erkennen würde, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Na sicher, das Münchner Olympiastadion, ganz klar an der Zeltdachkonstruktion zu erkennen…, ja meine Güte, das konnte dann ja eigentlich nur… – und genauso war es auch: Es handelte sich um Fotos von meinem ersten Konzert am 18. Juni 1985!

Das können wahrscheinlich nur Fans verstehen, was einem so ein Geschenk bedeutet!
[@Sori: nochmals 1000 Dank dafür!!! @Herrn Speed: schleifen Sie bitte schon mal das Sägeblatt, ich brauch‘ einen Spezialrahmen Altar für diese Rarität!]

Und weil wir dann eh schon mittendrin waren im Lieblingsthema des Tages, verlegten wir kurzerhand unseren Marsch durch Leipzig erstmal in den Nordwesten der Stadt.

So wie die einen halt sonntags zur Kirche gehen…

…pilgern andere zu ihren musikalischen Gedenkstätten…

…und beschließen die sonntägliche Messe mit Gebeten wie „Gib mir 1x im Leben Lost in the flood live!“ oder „Hol mich 1x zu dir auf die Bühne, zu Jole Blon oder zu Jersey girl!“.

Nach dieser netten Kurz-Wallfahrt spazierten wir dann doch noch in die Altstadt, aber kaum wollte ich Marktplatz und Thomaskirche näher betrachten…

…erspähte die Sori ein E-Street-Band-Fan-Shirt, das an einem Mittfuffziger prangte, der mit seiner Gefährtin unvorsichtigerweise in der ersten Reihe eines Straßencafés beim Brunch saß.

Und schon war man wieder im Gespräch „unter Tramps“ – natürlich waren die zwei am Abend zuvor auch beim Kiefer, denn das ist ja quasi alles irgendwie ein und derselben musikalischen Ursuppe entsprungen. Die Gefährtin noch zu neu, um allzu viel mitzureden („ich war mal bei Rebekka Bakken“ – „Hm, ja, schön!“) und sich insgeheim wahrscheinlich fragend, was ihr da noch alles bevorstünde (zeitlich, emotional und finanziell), wie um alles in der Welt man sich nur an einzelne Songs von x Konzerten erinnern könne („Weißt du noch: Racing damals in Mannheim, 2003, oder Point blank 2009 in Frankfurt?) und ob sie mit dem Kerl wirklich eine gute Wahl getroffen hätte (na klar hatte sie das).
Nach einem ausgiebigen Plausch herzliche Verabschiedung, wie von alten Freunden.

Also eben gar keine Kultur mehr, was soll’s.
Ab zum Bahnhof und wieder nachhause.

Schön war’s!
Thanks to Kiefer & danke, liebe Sori – für den tollen gemeinsamen Trip, die Heiligenbildchen und die halbfeuchten Gauloises, und dann bis spätestens im Herbst hier in München!

You sit and wonder just who’s gonna stop the rain
Who’ll ease the sadness, who’s gonna quiet the pain
It’s a long dark highway and a thin white line
Connecting, baby, your heart to mine!

Nachtrag, 13. Juni: Link zum lesenswerten Leipzig-Bericht auf Soris Blog!

Himmel der Bayern (28): Das Sackgassenglück.

Das Gefühl von Sackgasse oder Endstation mag ich im Inneren gar nicht, draußen in der Welt aber umso mehr. An solchen Endpunkten erübrigen sich die Entscheidungen, ob man nun links/rechts/geradeaus/hoch/runter/zurück fahren soll. Es gibt keine Richtungen mehr, es ist einfach mal Schluss – und damit meist auch Ruhe. Allenfalls zu Fuß geht es noch ein Stückerl weiter, manchmal nicht einmal das.

Die schönsten Endstationen, an denen ich mich je aufgehalten habe, waren Altaussee im Salzkammergut (hier endet die Straße im Ort bzw. am See und am Berg) und Hoburgen auf Gotland (hier endet der Weg am Leuchtturm bzw. am Meer). Natürlich muss man nicht ins Ausland fahren, um dieses beglückende Sackgassengefühl zu erleben. Sowas gibt’s auch in heimatlichen Gefilden.

Das Dackelfräulein am Ende (der Jachenau).

Hier in der Region habe ich drei Lieblingsendstationen, an denen sich das perfekte „Am Arsch der Welt“-Feeling erleben lässt: Das Elmauer Hochtal am Fuße der Wettersteinwand, das Almdorf Eng im Karwendelgebirge (na gut, das ist ganz knapp schon nicht mehr Bayern) und die Jachenau, Bayerns kleinste Gemeinde, südlich von Lenggries.

Ersteres ist, wenn man nicht mit einem Millionär verheiratet ist, nur für Tagestouren geeignet, denn die Nobelherbergen Schloss Elmau und Das Kranzbach sind unerschwinglich (Hotels, die ihre Exklusivität hervorheben wollen, erkennt man heutzutage am vorangestellten, gern auch großgeschriebenen Artikel oder an Untertiteln wie Hideaway und dergleichen).

In der Eng gibt es leider nur einen potthässlichen Alpengasthof, ansonsten muss man nach Hinterriß ausweichen, wo es nur einen mittelscheußlichen Gasthof direkt am tosenden Rißbach gibt oder gleich in die Ortschaft Fall am Sylvensteinsee, die immerhin ein passables Outdoorhotel im modernen Jugendherbergsstil bietet – allerdings mit morschen Aufbacksemmeln am Morgen (großspurig beworben als „Ludwig-Ganghofer-Brunch“).

Die Jachenau ist von den drei Supersackgassen die einzige, die touristisch nicht ganz so beliebt ist, obgleich sie ähnlich schön ist: Umgeben von Bergen, in unmittelbarer Nachbarschaft des Walchensees und mit dem rauschenden Jachen als pulsierende Ader des sonnigen Tals, an der die paar kleinen Ortschaften liegen. Man kann in schmucken Bauernhöfen oder einem der urigen Gasthöfe Quartier nehmen, die Halbe kostet noch keine 3,50€ und für ein zierliches Dackelfräulein werden einem nicht unverschämte Aufschläge berechnet, wie sich das die besseren Häuser gern erlauben.

[Randnotiz: Das wär‘ auch nochmal so ein Projekt – ein Hotelführer für Hund&Mensch in Oberbayern. Wo gibt’s die schönsten, hundefreundlichsten und günstigsten Unterkünfte, die, in denen es morgengassitaugliche Wiesenwege in Hotelnähe gibt, am besten noch mit Gassisackerlspender und Mülleimer am Wegesrand, die, in denen Waldi unkompliziert mit zum Frühstück darf, ohne dass der Tussi am Nebentisch das Proseccoglas aus der Hand fällt, die, in denen es frische Brezn gibt und Eier von glücklichen Hühnern sowie kein Hofbräu- oder Spatenbier und mehr als nur Schweinereien auf der Karte.]

Jedenfalls sind das Dackelfräulein und ich heute Morgen spontan in die Jachenau gefahren. Zu Schulzeiten habe ich meine Sommer in Lenggries verbracht, da hab ich die Gegend rundum kennengelernt. Später war ich meist im Winter hier, zum Langlaufen.
Seit N. viel zu früh gestorben ist, war ich überhaupt nicht mehr in der Jachenau, es war seine Lieblingsgegend, vor allem im Winter, weil die Sonne so lang hier ins Tal reinscheint – man kann über 30km Kilometer in der Loipe runterspulen und hat ununterbrochen Sonne im Gesicht.

Für zwei Tage sind wir nun im Sackgassenendstationsparadies. Der Wirt schenkt uns zur Begrüßung nicht nur ein Lächeln, sondern ein Upgrade. Weil er auch einen Dackel hat. Die haben ja gern den Überblick, weiß er. Deshalb nun ein Zimmer mit Balkon und Aussicht aufs Ende der Straße und den „Dorfplatz“. Und mit Flauschteppich zum Schubbern des vom Wandern strapazierten Hunderückens.

Heute Jochberg, morgen Scharfreuter, übermorgen Walchensee – falls das kurze Zwischenhoch noch bis Freitag durchhält.

An dieser Stelle besonders liebe Grüße an D.: nächstes Mal gehen wir gemeinsam von hier aus los, denn nach 25 Jahren Jochbergbegehungen hab‘ ich heute festgestellt, dass die Ostroute ja viel schöner ist!

Und schon wieder: Immer diese Entscheidungen!

Immerhin mit Entscheidungshilfe (siehe kleines Schild).

Aussicht auf den Herzogstand.

Ziehen Sie vom linken Dackelohr aus eine gerade Linie nach oben – und Sie landen direkt auf dem 2.100m hohen Berg, auf den wir erst morgen hochschnaufen.

Blick ins Vorkarwendel und Karwendel (man kann das schöne Wort gar nicht oft genug schreiben) – leider wird die westliche Karwendelspitze von den Tannen verdeckt.

Manchmal seh ich den Wald vor lauter Bäumen nicht, heute sah ich den Weg vor lauter Laub kaum – eine vierbeinige Vorhut ist da von unschätzbarem Wert.

Wald, Walchensee, Wettersteingebirge.

Die drei Dorfenten auf der Flucht vor dem Dackelfräulein (verwackelt wegen Sauseschritt).

We told each other that we were the wildest… (The Bobby&Pippa-Theme)

Die neue Woche beginnt mit einem gemütlichen Hund-Mensch-Frühstück an einem eigens hergerichteten Tisch in der Lobby. Und sie beginnt sonnig.

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Beste Voraussetzungen also für ein BDBD, das für heute anberaumt war. BDBDs sind Blog-Dog-Blind-Dates, die sich aus der Bloggerei von Hunden und ihren Haltern ergeben, wenn die zentralen Interessen „matchen“ (wie man in der Partnerbörsensprache so sagt).

Für die Hunde-Singles wird von den jeweiligen Besitzern ein Treffen arrangiert, bei dem es Einiges zu beachten gilt:

  • stabile Wetterlage, denn niemand möchte seinen potentiellen Gefährten im Pissregen kennenlernen, wo es einem die Frisur verhagelt
  • gute Beschnupperbedingungen, d.h. kein Aufeinandertreffen in beengten Verhältnissen oder Räumen, in denen einer der beiden bereits Revieransprüche anmelden könnte
  • adäquater Spazierweg für einen ausgedehnten, leinenlosen Ausflug – möglichst auch ohne Konfrontation mit anderen Hunden, Katzen, Hasen, Rehen, Wildschweinen oder Fliegen, die das Kennenlernen stören könnten
  • ausreichend Zeit und Ruhe, um einander besser kennenzulernen als es z.B. das sogenannte Speed-Dating erlaubt, das ja mehr auf Quantität denn auf Qualität setzt

Mensch kümmert sich also um diese Parameter, während Hund Zeit hat, sich in aller Ruhe auf das Date vorzubereiten.

Bei den Damen geht es um Fragen wie „Auf welches Parfum fährt der Rüde wohl ab – soll ich vorher noch duschen oder wälze ich mich besser in Kuhfladen?“, „Ist es geschickter, wenn ich mich bei der Begrüßung stürmisch gebe oder empfiehlt es sich, ein bisschen desinteressiert zu tun?“ und „Trage ich das lange Ohr eher offen oder bedeckt?“.

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Derweil wälzt der Herr Überlegungen wie: „Was mach‘ ich nur, wenn sie sehr klein sein sollte und ich spontan große Gefühle mit noch größeren Gesten zeigen will?“, „Wie lange muss ich wohl abwarten, bis ich endlich überall an ihr riechen darf?“ und „Welches ist das Outfit, in dem ich am besten als Gentleman rüberkomme und einen manierlichen Eindruck mache?“.

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Um 13 Uhr ist es dann soweit.

Das bayrische Isarfräulein Pippa und der gestandene Harzer Wanderkaiser Bobby treffen bei der alten Mühle des Burghotels Hardenberg – romantischer könnte die Kulisse kaum sein! –  aufeinander.

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Die Menschen haben eine 2,5 stündige Wanderung zur Nachbar-Burg Plesse vorbereitet und so zog man – nachdem die ersten aufgeregten Botschaften an das Brücklein und in die Wiese geschrieben und kommentiert worden waren – in zwangloser Runde plaudernd und einander beschnuppernd los.

Herrliche Waldwege luden ein zu ersten gemeinsamen Sprints, freie Felder animierten zur Teamarbeit bei der Mäusesuche und einige längere Steigungen sorgten auf natürliche Art und Weise für Gesprächspausen, in denen man auch mal schweigend nebeneinander her hecheln und den anderen dennoch an seiner Seite spüren konnte.

Fiel Pippa aufgrund ihrer kurzen Beinchen mal ein Stück zurück, wartete Bobby geduldig oder ging nach ihr schauen und kam gemeinsam mit ihr zurück. Als zwei Handtaschenhunde unseren Weg kreuzten und sich anschickten, ihre Nasen Richtung Dackeldame zu recken, intervenierte der selbstbewusste Labradoodlerüde umgehend und brachte dadurch unmissverständlich zum Ausdruck, dass die Kleine seine Verabredung war und die anderen nichts, aber auch gar nichts anging.

Und, was soll man sagen?! Hoch oben auf der Burg Plesse angekommen war alles geritzt. Einträchtig saßen die beiden nebeneinander…

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… man brauchte sie gar nicht mehr getrennt voneinander befragen, ob ihnen die andere Hälfte des Herzblatts zusagte …

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… denn während wir alle auf den Hotel-Shuttle-Bus für erdverkrustete Hunde und verschwitzte Menschen warteten, der uns zurück zur Burg Hardenberg kutschierte (kostenloser Service des wunderbaren Hotels!), wurden sowohl Wassernapf als auch Würstchen friedlich geteilt.

Nur schade, dass man den gelungenen Tag nicht noch gemeinsam bei einem anständigen Wildschweinragout in der Keilerschänke und anschließendem Kuscheln vor dem Kaminfeuer ausklingen lassen konnte, sondern die Menschen der Ansicht waren, dass man es beim ersten Mal nicht gleich übertreiben sollte.

So ging die Sonne schließlich hinter der Burgruine von Hardenberg ebenso einsam unter…

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… wie sich Pippa auf ihrem Lesesessel niederließ, um Bobby noch intensiv nachzuträumen.
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Ich schlich mich leise zu ihr hin, legte mein Ohr ganz sacht an ihres, und – siehe da! – ich konnte sie hören, die Melodie ihres Traumes.
Komponiert von den Erlebnissen des Tages und vollendet intoniert von der Atmopshäre an diesem magischen Ort, an dem nicht nur der große Bobby zu Besuch war, sondern auch the Boss himself, die beiden einander so ähnlich hinsichtlich Kraft, Vitalität und Energie – und so labradoodelte es in ihr:

Yeah, we told each other that we were the wildest
The wildest things we’d ever seen…

…. now I wished you would have told me
I wished I could have talked to you
Just to say goodbye Bobby (Jean).

Schön war’s, ihr beiden.
Danke, dass ihr hier wart & wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen!

Die Kraulquappe & ihr Dackel.

207 oder: Saumäßig gut.

Nach gefühlten 800km, die nur zwar knapp 400km waren, aber 200km Staus oder Baustellen oder beides beinhalteten, kamen wir ziemlich gerädert am frühen Abend in Nörten-Hardenberg an.

Hätten wir dieses Grauen nicht durch drei herrliche Stunden am Elbufer bei Blankenese mit meiner Freundin B., Spazierengehen und Kuchenessen unterbrochen, wären wir noch geräderter hier eingetroffen.

Aber selbst dann hätte mich die Ankunft hier für die gesamte dämliche A7 entschädigt!

Der freundliche Herr R. von der Rezeption trug mir einen Teil meiner peinlichen Gepäck-Kisten (wenn ich wochenlang mit Hund reise, ist ein Koffer das Unpraktischste, was es gibt!) aufs Zimmer, auf dem für die Dackelmadame schon Näpfe in Berhardinerformat bereitstanden, ebenso eine Kuscheldecke, ein Lesesessel, ein Doppelbett und zwei eigene Türschilder.

Eines, wenn Fräulein Hund ungestört die Minibar plündern oder in den Daunen ruhen möchte…

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… und eines, wenn das Zimmermädchen bitte die wildschweinartigen Verwüstungen beseitigen möge.

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Liebe Schweden, da könnt ihr euch mal ein Beispiel dran nehmen! So sieht das aus, wenn man in einem hundefreundlichen Land unterwegs ist!

Und weil der Herr R. eh schon so freundlich war, habe ich ihn ohne Umschweife mit dem wahren Grund meines Hierseins – nicht auf Erden, sondern in diesem Hotel – behelligt: Wo hat ER gewohnt?

Ja, und dann zeigte der Herr R. doch glatt in den hinteren Teil des Flures, in dem wir standen.

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Nur ein paar Türen weiter hat Bruce Springsteen logiert und wird es auch 2017 wieder tun, wenn hier das Reitturnier stattfindet, an dem seine Tochter teilnimmt.

Ich verstehe vollkommen, dass man das nicht verstehen kann, wenn man kein Fan von etwas oder jemandem ist. Wer aber schon mal Fan war oder ist, der wird es nachfühlen können, sich an evtl. eigene bekloppte Aktionen ähnlicher Art erinnern und milde lächeln.

Und später, nach Abendessen und Abendgassi, haben der freundlichste aller Herren R. und ich uns nochmal hier im Flur verabredet, er mit Schlüssel zur Suite, ich mit Fotoapparat – denn die Suite war nur bis heute Mittag bewohnt…

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(Für Fans: Weitere Bilder können auf Anfrage zugesandt werden.)

Natürlich habe ich mich auf das Sofa gesetzt, bin einmal durch die Suite spaziert, inklusive Balkon und Bad, während der Herr R. freundlich lächelnd und diskret an der Tür wartete.

Danach bin ich selig in mein Zimmerchen zurückgeschwebt, habe das Betthupferl mit Wildschwein-Dekor verzehrt (in der Hoffnung, dass es für mich bestimmt war und nicht für Pippa, denn das Begrüßungskärtchen richtete sich namentlich an uns beide) und muss sagen, da hat der Herr Graf echt nicht gelogen:

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Die Praline war nur durchschnittlich aufregend, aber das Fanherz schlug vor lauter Freude noch 207x pro Minute.

Es ist die Verwirklichung kleiner, individueller und manchmal völlig kindischer Träume, die einen so froh machen kann. Dinge, zu denen mein Vater sagen würde: „Spinnst du jetzt total? Was willst du denn im Hotel in Nörten-Hardenberg?“.
Ich hab’s ihm einfach nicht erzählt, weil ich ja schon groß bin und alleine entscheiden kann, wo ich hinfahren und spinnen möchte – und zwar ganz ungestört.

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Was für ein schöner Abschluss dieser langen Reise!

Gute Nacht aus Niedersachsen wünscht –
Die Kraulquappe.

Time is an ocean but it ends at the shore.

(Titel: Zitat aus „Oh, Sister“ von, na wem wohl?)

Die letzte Etappe meiner Reise hat begonnen.

Mit einer reibungslosen Fahrt über den Öresund…

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… und den Großen Belt bis nach Nyborg …

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… wo wir uns die Pause nicht von dämlichen dänischen Drangsalierungen verderben ließen …

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… sondern uns freuten, vor der Weiterreise noch ein paar Sonnenstrahlen zu tanken …

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… und „Finde den Fehler im Bild“ zu spielen …

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… bevor es dann – dem tollen Tipp vom Blog Anwolf folgend! – weiterging bis nach Kiel …

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… in ein Romantik Hotel, in dem es auch alleine dermaßen romantisch sein kann, wenn man in Jogginghose dem Zimmerservice an der Tür dieses erfreuliche Tablett abnimmt …

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… und sich ein halbes Stündchen später satt und zufrieden mit dem Dackeltier und dem restlichen Franziskaner aufs Bett haut und zum ersten Mal seit über 3 Wochen die Glotze einschaltet.

Nach all dem Reisen und Gucken, Rumlaufen und Geplane, werd‘ ich jetzt mal zwei Tage lang alle Viere von mir strecken!

And last but not least (und weil’s mich natürlich den ganzen Tag über im Radio begleitet hat):
Ich hab‘ mit der heutigen Entscheidung aus Stockholm kein Problem.

Ohne Dylan und Springsteen hätte ich nie den Ehrgeiz entwickelt, auch noch so krass genuscheltes Englisch verstehen zu wollen. In den späten 80ern, noch vor einem Plattenspieler (!) kauernd und die Nadel immer wieder ein paar Rillen zurücksetzend, um die Strophe nochmal und nochmal zu hören, und vielleicht doch endlich wieder ein paar Worte mehr zu verstehen oder weiterrätseln zu können, war das hier (ich werd’s nie vergessen) nach unendlich vielen Abenden mein Gesellenstück der Hörverständnisübungen:

Und heute, da kann man die Lyrics einfach googeln.

May your heart always be joyful
May your song always be sung
And may you stay
Forever young!

Das darf hier einfach nicht fehlen – vor allem der Anfang und die letzten beiden Minuten, ab 9:55 😉
Meinen Glückwunsch, Bob!

Gute Nacht vom Kieler Fjord wünscht –
Die Kraulquappe.

Wo Akka das Land verließ oder: Aufbruch.

Bei immer herbstlicherer und stürmischerer Witterung winken wir von Smygehuk aus…

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Südlichster Punkt Schwedens: Smygehuk.

… den letzten Zugvogelschwärmen nach, die eilig das Land verlassen und ihre Reise in den Süden antreten.

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Das kleine Denkmal für die große Akka von Kebnekaise.

Auch wir nähern uns allmählich der Rückreise in den Süden (in dem es aktuell leider noch kälter ist als hier). Bloß noch ein Tag an der Südküste, danach ein weiterer in Malmö – bis der Gatte abends zurückfliegt.

Und vielleicht bedurfte es dieser Abschiedsstimmung und des rauen Klimas, um endlich gemeinsam mit Pippa in einem Café Einlass gewährt zu bekommen.

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Nach der Nachsaison & bei 11 Grad: Cafés öffnen ihre Türen.

Am Donnerstag brechen wir unsere Zelte hier auch ab, und nach langem Hin und Her, Für und Wider, Planen, Verwerfen und Neu-Planen steht die Reiseroute seit heute endlich fest: Keine Fähre mehr, sondern Brücken über Brücken (über den Öresund und den Großen Belt).

Außerdem: In aller Ruhe nach München zurück, 4-5 Tage Zeit lassen, kein Kilometerabspulen, sondern langsam reisen und unterwegs gleich noch ein paar Wünsche realisieren.

Die da wären:

– in Betten mit festen Matratzen und ohne wabbelige schwedische Hygieneauflagen schlafen
– Frühstück mal nicht selber machen
– in eine Scheibe heimisches Vollkornbrot beißen
– ungesalzene Butter auf dieses Brot streichen
– abends nicht den Kochlöffel schwingen
– Pippa ins Restaurant mitnehmen ohne dass irgendwer krumm guckt
– nach fast 4 Wochen endlich wieder in einem 50m-Becken schwimmen
– die Kieler Förde anschauen
– einmal im Leben im selben Hotel übernachten wie Bruce Springsteen (nur leider nicht zeitgleich)
– Pippa zu einem Date mit einem feschen Rüden begleiten, den sie übers Bloggen kennengelernt hat

Das sind schöne Aussichten – ganz egal, bei welchem Wetter.
Aufbruch!

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Reminiszenz an den Sommer: Statue vom bekannten Künstler Axel Ebbe am Hafen von Smygehuk (Modell stand die Großmutter von Uma Thurman).

Tschechow meint: Wer – wie die Zugvögel – durch Ortswechsel Rettung sucht, findet sie nicht.

Ich meine: Wer durch Ortswechsel bloß Abstand und Ruhe, neue Impulse und Perspektiven sucht, kann da schon mehr Glück haben.

In der Hoffnung auf ein gutes letztes Viertel der Reise grüßt euch
Die Kraulquappe.

Herbst-Schnäppchen „Die Parkplatznummer“ oder: Refresh your love.

Eigentlich wollte ich direkt nach dem Frühstück und ein paar Erledigungen im Haushalt zum Einkaufen aufbrechen, da nach dem Wochenende in unserem Kühlschrank meist gähnende Leere herrscht. Doch dann kam mir eine Mail dazwischen, die alles, aber auch wirklich alles, was ich mir für den Vormittag vorgenommen hatte, auf den Kopf stellte.

Ein so sensationelles Angebot flatterte mir da so unerwartet ins Postfach, dass ich es umgehend an euch, liebe Leser, weitergeben möchte. Genauer gesagt: an die Paare unter euch Lesern, an alle Schatzis, Mausis, Hasis, Spatzls und Darlings, die ihr euch zwar noch nicht im Herbst eures Lebens, aber ab und zu wie im Spätsommer eurer Beziehung/Partnerschaft/Ehe fühlt.
Und mal ehrlich: wer empfindet das nicht gelegentlich so, nachdem mal die ersten drei rauschenden Jahre mit Kennenlernen, Zusammenziehen, lodernder Leidenschaft und als Krönung womöglich gar dem schönsten Tag eures Lebens (=Hochzeit) wie im Flug vergangen sind?

Das muss nicht so bleiben, da kann man was tun! Und zwar im schönen Bayern, inmitten saftiger Almwiesen umrahmt von der imposanten Kulisse des Wettersteingebirges, in einem Berg-Hotel (Mountain Hideaway), das seinesgleichen sucht:

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Jetzt nicht angepisst ob der stilistischen Patzerchen wegklicken, bitte!
Wir wollen gnädig über die Form hinwegsehen und uns auf den Inhalt konzentrieren, denn darauf kommt’s schließlich an.

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Ehrlich – mich hatten sie schon nach den ersten beiden Punkten eingefangen, denn a) ich spiele für mein Leben gern, meinetwegen auch mit einem Therapeutenpaar, vor allem, wenn die zwei einen so netten Namen haben und b) drei Tage lang nicht Kochen und Abwaschen, das ist für mich schon sowas von Genuss und Erholung, damit kriegt man mich sofort rum.

Aber dann, der Hammer, dieser Punkt drei: das einzigartige Liebeswochenende offeriert einen kostenlosen Parkplatz! Is‘ nich‘ wahr, oder?! Da wird einem doch gleich ganz heiß zumute! Ich mein‘, was wir da alles anstellen könnten, auf dem Parkplatz, zumal, wenn’s nix kostet und man nicht gehetzt ist von der Uhrzeit, die auf irgendeinem Parkticket draufsteht…

Mir blieb fast die Spucke weg, dass das Ganze dann noch gekrönt wurde von inkludierten Gondelfahrten – sogar mehrfachen! – während des Aufenthalts (diese wundervolle Metapher! – ist so eine Partnerschaft nicht ein Auf und Ab, eine Berg- und Talfahrt?!) sowie kostenlosen Koffeinspritzen und WLAN im alpinen Liebesnest! Sogar die Minibar darf man leersaufen, um die Love zu refreshen, how amazing, und ich versteh‘ fei voll und ganz, dass das nur für den alkfreien Part des Zimmerkühlschranks gilt, denn ey, bei dem Schnäppchenpreis von knapp 2.000 Öcken pro Liebesunion in der preiswertesten Room-Category, ja was erwarten die Leute denn?!

Unsere Liebe, die sollte uns schon mal eine Investition wert sein, die über Discounter-Level liegt, oder nicht?

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Also, Leute, lasst uns doch im Oktober da oben in den Bergen treffen, zu diesen Love&Play-Park&Ride-Workshop von Liebling&Schatz, in drei Tagen stocknüchtern ein halbes Monatseinkommen verjubeln, gemeinsam auf und ab gondeln, ein- und ausparken, was das Zeug hält, einander mit der Espressomaschine einheizen und auf den Wellen des Highspeed-WLANs zu neuen Liebesabenteuern surfen, während wir unsere Aphro-Verwöhnpension abends am Zimmerkamin der Suite mit Wettersteinblick sacken lassen.

Mein Gatte und ich, wir sind auf alle Fälle dabei, wir buchen den zweiten Termin im Oktober, denn der passt besser zu den Bundesligaterminen des FC Bayern, diesem erfolgreichsten aller Aphrodisiaka für des Gatten Laune und unsere Beziehung. Man muss ja schon im Vorfeld drauf achten, dass die Basisparameter für so einen Wellnesskurs auch passen (einmal, da waren wir an einem lebenswichtigen CL-Wochenende in den Bergen und im Hotel schwächelte die Glotze, da war die Stimmung im Eimer, da hätten auch Liebling&Schatz nix mehr reparieren und refreshen können, das passiert mir nie wieder).

Jetzt muss ich dann mal los zum Einkaufen. Liebe geht schließlich auch durch den Magen, so im Alltag.

Euphorisierte Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünscht euch,
Die Kraulquappe.